Westbahnhoffnung Villach

Jahresbericht 2016

Westbahnhoffnung Villach
Jahresbericht 2016

 

Vorwort

Liebe Freunde
der Westbahnhoffnung Villach!

Zuallererst wünsche ich euch ein gesegnetes neues Jahr 2017. Von ganzem Herzen möchte ich mich bei euch bedanken, dass ihr mit euren Gebeten und mit tatkräftiger finanzieller Unterstützung dazu beigetragen habt, dass wir 2016 überleben konnten und dass wir sehr ermutigt das neue Jahr angehen dürfen.

Mit dem Jahresbericht möchten wir euch teilhaben lassen, an all den guten, aber auch an den herausfordernden Momenten, die wir 2016 in der WBHoffnung Villach erlebt und durchlebt haben. In der Juli Ausgabe 2016 des „Spurwechsel light“ (der monatlichen Infomail) habe ich mich mit der Frage auseinandergesetzt, ob es unvernünftig ist, seine ganze Hoffnung auf Gott zu setzen. Ich wollte die Frage ja im August beantworten. Das ging aber nicht, weil es nicht klar war, was mit uns wird. Im November 2016 mussten wir uns ernsthaft mit dem Gedanken anfreunden, die Arbeit zu schließen. Das sind nicht gerade Gedanken, die einem guttun. Hat man sich 16 Jahre engagiert und gekämpft, um es dann zu schließen? Was wird mit den Menschen, die uns brauchen? Was wird mit unseren Mitarbeitern, die dann arbeitslos sind? Was wird mit Gerhard und Martina, wo das AMS eine Förderung bewilligt hat? Was wird mit den eigenen Träumen und Zielen und den Dingen, die man noch erreichen möchte? Das Projekt ist ja wie ein Rohbau. Wir haben vielleicht das Fundament und den Keller fertig, aber da sind noch einige Stockwerke, die es aufzubauen gilt. Das Gute an solchen schwierigen Situationen ist, dass sich Spreu vom Weizen trennt. Wenn ich Druck auf die Zahnpasta-Tube ausübe, kommt heraus was drin ist. Das Gute an solchen schwierigen Situationen ist aber auch, dass Gott bei dem ganzen Zweifel auch Ermutigung schenkt. So habe ich das an einem Sonntagmorgen im Dezember erlebt. In zweifelnden und besorgten Gedanken stand ich am Bahnsteig vor der Halle am Westbahnhof, als Jutta Purt fröhlich aus der Halle kam und fragte: „Sind die 30.000€ schon gekommen?“. „Was für 30.000€“, fragte ich. „Ja wir beten für 30.000€“. So richtig glauben konnte ich es nicht, dass wir so viel Geld bekommen, aber es hat mir doch gutgetan und mich ermutigt. Um die Frage zu beantworten, ob es unvernünftig sei, seine ganze Hoffnung auf Gott zu setzen: Es ist nicht unvernünftig. Gott hat Juttas Gebet und das von all denen, die mitgebetet haben, gehört und es waren noch etwas mehr als 30.000€. Das ist einfach nur großartig. Ganz herzlichen Dank an jeden, der dazu beigetragen hat. Vergelt´s Gott! Schließen möchte ich mit einem Zitat von Dietrich Bonhoeffer, dem deutschen Pfarrer, den die Nationalsozialisten kurz vor Kriegsende ermordet haben. Dietrich Bonhoeffer hat seinen überzeugten Glauben mit seinem Leben bezahlt.

„Nicht unserer Hoffnungen werden wir uns einstmals zu schämen haben, sondern unserer ärmlichen und ängstlichen Hoffnungslosigkeit, die Gott nichts zutraut, die in falscher Demut nicht zugreift, wo Gottes Verheißungen gegeben sind.“

Marjan Kac
Leiter der Westbahnhoffnung Villach

 

Unsere Mitarbeiterschaft zur Frage: Warum ich mitarbeite?

… weil es mir und meiner Familie gut geht, andere aber jeden Monat kämpfen um halbwegs über die Runden zu kommen und ich deshalb einen kleinen Beitrag für andere abgeben möchte. Sonja Ilias

… weil ich keinen Ort kenne, an dem Arbeiten, Spaß und Familie so groß geschrieben werden und jeder Mensch denselben Wert hat. Martina Kudler

… weil mir die Menschen am Herzen liegen und ich sehr gerne koche. Carmen Kac

… weil ich Flüchtlingen helfen will, Deutsch zu lernen. Gilda Trobin

… ich gebe einfach von meiner Fülle ab. Friederun Kelz-Fölsche

… weil ich finde, dass „Anlaufstationen“ wie die Westbahnhoffnung eine der notwendigesten Säulen der Zivilisation sind. Christian Novak

… weil mir euer soziales En­gagement in diesen immer unmenschlicher werdenden Zeiten dringend notwendig erscheint. Marianne Dörfler

… weil wir am WBH gut auf­gehoben sind und das Mitar­beiten eine große Freude ist. Wir gehen sehr gerne dahin. Man fühlt sich wie in einer großen Familie. Das ist sehr schön. Rudi & Lisi Wriessenegger

 

 

 

Sozialarbeit

Hilfe ohne Hindernisse – Auch ohne Lohnzettel, Meldezettel, Ausweis

Werte und Herausforderungen

Menschen auf Augenhöhe zu be­gegnen und so anzunehmen, wie sie sind, das zeichnet die Sozi­alarbeit der Westbahnhoffnung aus – kunterbunt, unbürokratisch, un­kompliziert, niederschwellig, höf­lich und am Bedarf der Gäste orien­tiert. Willkommen ist jeder Mensch und alles kann kostenlos genutzt werden, ohne jegliche Nachweise oder Anmeldungen.

2016 war abwechslungsreich, voll mit neuen Eindrücken und Erfahrungen und auch oft sehr herausfordernd. Die tägliche Herausforderung für uns als #Team besteht darin, Menschen so anzunehmen wie sie sind und nicht zu verzweifeln, falls sie sich ständig im Kreis bewegen, ohne Aussicht auf eventuelle positive Änderungen. Weil wir auch selbst Menschen sind und Fehler und Schwächen haben, wollen wir anderen mit Barmherzigkeit be­gegnen.

Es fühlt sich toll an, wenn wir spüren wie wohl sich viele Gäste fühlen und wie dankbar sie sind. Auch, dass Res­pekt untereinander besteht und Ver­trauen aufgebaut wird, sind tolle As­pekte, die die Arbeit ausmachen. Oftmals vergisst man, dass es mehrere Arten von Armut gibt, u.a. auch sozia­le Isolation. Viele Gäste haben daher hier einen Ort gefunden, an dem sie Gemeinschaft erleben, Kontakte und Freundschaften knüpfen können. Im vergangenen Jahr durften wir vie­len Menschen begegnen und sie be­gleiten und betreuen. Wir durften viel Schönes erfahren, wie beispielsweise die Wandlung von René (siehe Bericht Seite 6). Mari Kac

Kooperation mit der Diakonie de la Tour

Mit dankbaren Herzen konnten wir 2016 eine Reihe von intensiven Gesprä­chen mit dem Direktor der Diakonie de la Tour Pfr. Mag. Dr. Hubert Stotter durchführen. Das Ziel der Gespräche war die Frage: wie können wir besser miteinander kooperieren und eventu­ell gemeinsame Projekte realisieren und doch unsere Eigenständigkeit bzw. unser Profil als Westbahnhoffnung Villach wahren. Für uns als Westbahn­hoffnung Villach wären Projekte mit so einem starken und kompetenten Part­ner sehr wichtig. Die Diakonie kann von der Niederschwelligkeit unser Arbeit ebenfalls profitieren. Ich hoffe, das wir 2017 Projekte konkretisieren können. Sehr dankbar sind wir für den 9- Sitzer VW Bus, den die Diakonie uns gespendet hat. Sehr dankbar war ich auch über die Einladung zur Andacht des 100. Todestages der Gräfin Elvine de la Tour. Sie ist ein großes Vorbild. Sie hat mit ihrem Glaubensmut so viel in unserem Land bewegen können. Marjan Kac

Hilfestellung

Obdachlosenmeldung

Ohne Wohnung keine Meldeadresse, keine Bezüge aus dem Sozialsystem bzw. der Arbeitslosen. Ohne Bezüge keine Aussicht auf eine Mietwohnung. Einmal aus dem System gefallen, ist es schwierig und für viele unmög­lich wieder einzusteigen. Mit der Anmeldung einer Postadresse dürfen wir fast wöchentlich Menschen die Tür ins System wieder öffnen.

Zweiter Arbeitsmarkt – Kooperation mit AMS

Für immer mehr Menschen sinkt die Chance auf eine geregelte Anstellung im regulären Arbeitsmarkt auf­grund von zu langem Aussetzen, dem Alter oder schlichtweg der psychischen und gesundheitlichen Überbelastung. Menschen mit Suchthintergründen oder nach schweren Depressionen sind davon eben­falls betroffen.

Im Laufe des Jahres haben sich viele neue Möglichkei­ten aufgetan, die uns dem Ziel, Menschen in Arbeit zu bringen, Schritt für Schritt näher bringen. Eine Koope­ration mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) konnte sich entwickeln und infolgedessen zwei fast vollfinanzierte Teilzeitbeschäftigungen für 2017 vereinbart werden, die über das Berufliche Bildungs- und Rehabilitati­onszentrum (BBRZ) abgewickelt werden.

Neustart – Leben ohne Kriminalität

Seit bereits vielen Jahren besteht eine enge Zusam­menarbeit mit dem Verein Neustart, schwerpunktmä­ßig im Bereich gemeinnützigen Arbeit zur Schadens­wiedergutmachung und an Stelle von Freiheitsstrafen, auch bekannt als Sozialstunden. Inzwischen wurden unzählige Stunden bei uns abgeleistet und nicht weni­ge blieben noch länger als Mitarbeiter.

Suchtprävention für Schulen

Auch 2016 besuchten uns Schulklassen am WBH und lernten so einiges über Suchtverhalten, die Wege in die Sucht und deren Konsequenzen kennen. [blu:prevent] Schulstunden gab es auch wieder an der HTL (Höhe­ren Technischen Lehranstalt) in Villach.

[blu:prevent] ist für junge Menschen zwischen 12 und 18 Jahren geeignet. Vollrausch, Alkopops, Gruppen­zwang, Alkoholismus in der Familie – über das und anderes können die Teenager und Jugendlichen bei [blu:prevent] sprechen. Oft zum ersten Mal. Interesse? bluprevent@westbahnhoffnung.at

Gewusst?

Praktikum mit Praxisanlei­tung von Marija Kac B.A.

Für SchülerInnen und StudentenInnen bietet ein Prak­tikum in der Westbahnhoffnung einen einzigartigen Einblick in die umfangreiche Arbeit mit Menschen. 2016 gab es etliche Praktika seitens FH, Gymnasium, Hauptschule und diverser Einrichtungen, wie zum Beispiel dem BBRZ.

P r a k t i k u m s b e r i c h t „Meine Sichtweise auf das Leben von Flüchtlingen wur­de zum Positiven verändert. Gleichzeitig merkte ich, dass auch Menschen Hilfe benötigen, die in Österreich aufwuchsen und sich durch plötzliche Ereignisse in pre­kären Lebenslagen befinden. Empfehlen würde ich ein Praktikum bei der WBHoffnung prinzipiell jedem. Es hilft gängige Klischees abzubauen. Ich erachte es als äu­ßerst wichtig diesen Tätigkeitsbereich als StudentIn der Sozialen Arbeit kennen zu lernen, da man einen Einblick in eine große Fallpallette erhält.“ Julia Sumper

 

Hart über dem Limit: Rene

Erlebnisbericht von Marjan Kac

Ich weiß nicht mehr genau wie viele Jahre ich Rene schon kenne, aber lan­ge genug, um beobachten zu können, wie sich die Spirale seines Zustandes immer weiter nach unten bewegte. Was mich mit ihm verband war Sym­pathie und Freundschaft, obwohl ich ehrlicherweise sagen muss, dass er mich manchmal an meine Grenzen ge­bracht hat. Rene hat nicht getrunken, nein, er hat gesoffen, sein Rekord war 4,2 Promille. Er war dem Verfall preis­gegeben und gezeichnet vom Alkohol. Immer wieder hatte er Phasen, wo er zugänglich war, wo er geweint hat, wo er realisierte welchen Weg sein Alko­holmissbrauch ihn führt.

40 Tage Vater-Unser

Ende 2015 war es besonders schlimm. Nach 40 Tagen Haftstrafe entlassen, kam er als erstes zu uns, da war er noch nüchtern, um dann kurz zu verschwinden und sich „volllaufen“ zu lassen, wie ein Hydrant. Dann stand er wieder vor unserer Tür und weinte. Er sagte mir: „Ich habe 40 Tage lang jeden Tag das Vater-Un­ser gebetet, um vom Alk loszukommen und jetzt schau mich an.“ Es wurde dann immer schlimmer um ihn.

Anfang 2016 war er meis­tens um 14.00 Uhr so betrunken, dass wir fast täglich die Rettung anru­fen mussten, die ihn dann abholte. In all dem war er gegenüber den Sanitätern immer noch dermaßen aggressiv, so dass ich ihn immer persönlich in den Stuhl vom Krankenwagen heben musste, oder durf­te?!

Italiener Abgeschoben

An einem Sonntag Ende Jänner habe ich ganz stark verspürt, dass 2016 sein letztes Jahr sein wird. Ich habe ihm gesagt: „Rene, ich glaube du wirst die­ses Jahr sterben“. Aber es kam, Gott sei Dank, ganz anders. Vom 7. – 13. Feber 2016 fuhr ich mit Mitarbeitern zu einer Konferenz nach Sizilien. In dieser Zeit, am 12. Feber, brachte die Villacher Polizei Rene nach Tarvis/I. Die angedrohte Abschiebung mit einem 5-jährigen Einreiseverbot nach Österreich wurde vollzogen. Rene ging daraufhin zu Fuß über die Grenze nach Arnoldstein, um dann schwarz mit dem Zug bis zum Villacher West­bahnhof zu fahren. Dort übernachtete er dann am Bahnsteig. Am 13. Feber in der Früh trafen wir aus Sizilien kom­mend am Westbahnhof ein. Ich suchte gleich das Gespräch mit Rene, aber es war sehr schwer, weil er wieder der­maßen betrunken war, dass er kaum reden konnte. Er erzählte mir von sei­ner Abschiebung und dass er in Öster­reich bleiben wolle. Eher schmeiße er sich vor den Zug, sagte er. Ich riet ihm, weil ihn ja doch jeder Polizist in Villach kannte, öffentliche Plätze zu meiden, vor allem den Hauptbahnhof, an dem er immer abgehangen hatte. Ich ärger­te mich ein wenig über die Behörden. Warum konnten sie den armen Kerl nicht einfach nur in Frieden sterben lassen, dachte ich mir. Rene ging natür­lich am Samstag zu seinen Kumpeln an den Hauptbahnhof, mit der Folge, dass er verhaftet und unverzüglich wieder abgeschoben wurde. Ich rechnete da­mit, dass er sofort wieder auftauchen würde, aber das geschah nicht. Funk­stille. Nach 2 Monaten glaubte ich, Rene sei tot.

Mitte Mai ging eines Tages das Telefon

im Büro und eine Stimme meldete sich: „Hallo Marjan, hier ist Rene“. „Rene? Was für ein Rene?“, fragte ich. „Ja ich, Che Guevara.“ Unglaublich, es war wirklich Rene. Er erzählte mir, dass er seit Feber trocken sei, regelmäßig in eine Selbsthilfegruppe gehe und in Tol­mezzo in einem #Betreuten Wohnen untergebracht sei.

Tolmezzo ist ca. 80 Kilometer von Vil­lach entfernt und so haben wir Rene mittlerweile schon zweimal besucht. Für mich ist das immer noch ein un­fassbares #Wunder, ein Eingreifen Gottes in sein Leben. Aber auch eine große Ermutigung für unsere Arbeit in Villach. Rene hat mir gesagt: „Ohne die Westbahnhoffnung, ohne euch, wäre ich sicher tot“.

Videobotschaft

In einem kurzen Video grüßt René seine ehemaligen Freunde von der Straße und bittet sie flehentlich die Fin­ger vom Alkohol zu lassen.

 

Was Gäste sagen: Was bedeutet die Westbahnhoffnung für dich?

Für jemanden wie mich von der Straße, ist es sehr schön, dass einem geholfen wird. Ich genieße hier nicht nur das Essen, sondern auch mal Spass zu haben beim Tischfussballspielen. Marko P.

Ohne die Westbahnhoffnung hätte Villach für mich keine Menschlichkeit mehr. Michael H.

So bin ich nicht so alleine. Hier gibt es eine gewisse Vertrautheit. Maria M.

Die Arbeit gefällt mir gut. Es ist wie eine Familie. Silver M.

Ich liebe die ganze Organisation und speziell das Essen. Hier habe ich einen guten Freund gefunden. Enzo T.

Ein positiver Ort, wo Hoffnung wieder Bedeutung hat. Wer mit offenen Augen hinkommt kann interessante Men­schen treffen. Andreas Martin L.

 

 

 

Migration MITTENDRIN

Die Arbeit MITTENDRIN ist ein Herzensanlie­gen Gottes:

Siehe da, die Hütte Gottes bei den Men­schen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Offenbarung 21,3

Gott möchte MITTENDRIN in der Gesellschaft sein, MITTENDRIN im Geschehen. Er möchte uns wieder verbinden und mit uns verbunden sein. Das schließt auch die Migranten ein, die bei uns wohnen. Um dieses Ziel zu errei­chen, haben wir die MITTENDRIN Arbeit auf drei Pfeiler gestellt:

1) MITTEN im Netzwerk: Synergien, Multipli­kation, Erkenntnisse austauschen
2) MITTEN in Aktion: Wer sich selber be­wegt, „bewegt“ auch andere
3) MITTEN im Ort: Wir wollen vor Ort was verändern

RHP Konferenz

Die Refugee-Highway-Partnership Konferenz ist ein Treffen für Kirchen, Organisationen und Privatpersonen, die mit Flüchtlingen arbeiten.

Letztes Jahr nahmen Marjan K, Samuel R, unser damaliger Praktikant Daniel R und ich an der Konferenz in Sizilien(Ca­tania) teil. 86 Teilnehmer von 19 Län­dern waren vertreten. Jeden Morgen gab es eine Bibelarbeit z.B. wie Ruth als Ausländerin Teil der Juden wurde. In Workshops ging es um Traumata, Fremdlinge-willkommen-heißen, den Dialog mit Muslimen uvm. Viele Res­sourcen wurden geteilt, wie mehrspra­chige Literatur, Bibelkurse, Ideen und Erfahrungen. An einem Nachmittag fuhren wir mit einem Reisebus durch Sizilien, um ein abgelegenes Flücht­lingskamp zu erreichen. Umgeben von Orangenplantagen lebten die Flücht­linge dort in der Einsamkeit, solche, die über das Mittelmeer nach Europa geflüchtet waren. Die Konferenz ging mit einem Abendmahl zu Ende und alle stimmten voller Freude in das Lied „There‘s no God like Yeshua“ ein. Auf der Rückreise lernten wir das Migra­tions-Café von Francesco, einem Italie­ner, kennen, der in Deutschland aufge­wachsen war. Er versorgt Flüchtlinge in seinem Ort mit Kleidung. Das Thema der Konferenz war „Begegne der Flut“. Das werden wir auch weiterhin tun, dazu wollen wir auch Menschen wie Sie, lieber Leser, ermutigen. Auf der RHP 2017 in Budapest/Ungarn sind wir auch wieder dabei. Jörn Gempfer

GetAwayDays 2016

Auch letztes Jahr sind wir Anfang Sep­tember mit einer Gruppe zu den er­eignisreichen #GetAwayDays in die Ramsau/Schladming in Österreich in der Steiermark gefahren. Die ursprüng­lich geplante Gruppe hat mich bis auf Abdulla komplett verlassen, sodass wir noch einen Tag vorher eine ganz neue Gruppe zusammenstellten. Am Ende waren wir mit 11 Flüchtlingen sogar zwei mehr als gedacht. Das praktische Arbeiten und viel Bewegung in den Bergen waren auch diesmal ein High­light. Abgesehen davon, dass Jakob mit meinem Auto in die Leitplanken ge­rutscht ist, ist keinem was passiert! Für 2017 werden wir die natürlichen Hö­hepunkte in Kärnten entdecken! Jesus Christus versorgt und leitet, das haben wir auch 2016 erlebt, und das erwar­ten wir auch in der Zukunft!

Wenn Saide ihr Ziel erreicht

Wenn ein Mensch auf der Flucht das Zielland erreicht, entdeckt er, dass „der Weg ist das Ziel“ eine Lüge ist. Ankom­men bedeutet mehr, als Österreich er­reicht zu haben. Mitten im Ort zu sein, ist hier unser Ziel. Flüchtlinge unter den Einheimischen und Einheimische unter den Flüchtlingen. In einer Ge­sellschaft, die selber Mühe mit dem Zusammenleben hat sind die Fremden die ersten, die vereinsamen. Die West­bahnhoffnung setzt genau hier an und fördert Gemeinschaft durch gemeinsa­mes Mittagessen, Lebensmittelausga­be und Kleidervergabe. Die Flüchtlinge nutzen das und kommen so mit Men­schen aus dem Ort ins Gespräch. Auch die Deutschkurse und das gemeinsame Malen tragen dazu bei. Jörn Gempfer

Schuleinsätze

Mit der Präventionsarbeit im Migrati­onsbereich hat sich ein neuer Bereich in unserem migration MITTENDRIN Schwerpunkt aufgetan. Wir dürfen im Rahmen des Ethik- und Religions­unterrichts die Berufsschule Villach gemeinsam mit ein paar Asylwerbern besuchen, um dort mit den Schülerin­nen und Schülern ins Gespräch zu kom­men. Genau geschieht dies so, dass wir zuerst die Westbahnhoffnung vorstel­len, dann unsere Migrationsarbeit und dann den Anwesenden die Möglich­keiten bieten, sich persönlich mit den Migrantinnen und Migranten auszu­tauschen. Dabei bietet die Präventions­arbeit Raum für offene Fragen, Ängste, Vorurteile und etc. Es ist erstaunlich, wie viele unterschiedliche Gedanken und Meinungen da jeweils im Raum stehen, aber auch wie viel Neugierde entsteht. Aufklärende Antworten, auf bisher Unbekanntes, zu Fehlinformati­onen oder einfach falsch eingeschätzte Situationen – Schule MITTENDRIN hilft den Teenagern und Jugendlichen neue Sichtweisen zu entwickeln, Vorurteile abzubauen, in Kontakt mit dem „Frem­den“ zu treten, da es noch viele Schü­lerinnen und Schüler gibt, die bisher keine Berührung oder Erfahrung mit Migrantinnen und Migranten hatten. Hin und wieder erhalten wir auch am WBH Besuch von Schulklassen. Einmal begrüßten wir die Klasse mit einem arabischen Frühstück, meistens jedoch zeigt man die Räumlichkeiten, tauscht sich über die Arbeit aus und gibt Ein­blick darin. Für 2017 stehen weitere präventive Einsätze auf dem Plan. Mari Kac

Deutschkurse

Glücklicherweise hat Martina den Weg zur Westbahnhoffnung gefunden. Hier hat sie einen Ort entdeckt, wo sie voll­kommen aufgehen kann und sich wohl­fühlt. Besonders für mich ist Martina eine großartige Unterstützung, denn die Zusammenarbeit und Verläss­lichkeit funktioniert einwandfrei und bedeutet eine große Stütze für mich. 2016 hat sie im Rahmen des AMS ein Arbeitstraining bei uns absolviert und es freut mich sehr, dass wir mitteilen können, dass sie eine Komplettförde­rung für das Jahr 2017 vom AMS und Land erhält. Somit ist sie ab Mitte Ja­nuar 2017 bei uns angestellt und wir können sie fürs Erste beschäftigen. Wir hoffen zukünftig natürlich auf weite­re Möglichkeiten, um sie in der West­bahnhoffnung längerfristig beschäfti­gen zu können.

Mit Martina an meiner Seite besteht eine ausgezeichnete Deutschkurskoor­dination. Gemeinsam organisieren wir die #Deutschkurse und haben mindestens zweimal jährlich eine Be­sprechung mit dem #Team für die Deutschkurse. Dabei stehen natürlich auch die Bedürfnisse und Anregungen der Lehrerinnen und dem Lehrer im Fokus. Unsere Kurse werden von Sep­tember bis Juli abgehalten und mitt­lerweile haben wir 7 funktionierende Kurse. Wir bieten nun, aufgrund des hohen Bedarfs, einen Alphabetisie­rungskurs, einen A1 Kurs, drei A1+ Kurse und zwei A2 Kurse an.

Die Deutschkurse basieren auf ehren­amtlicher Tätigkeit und alle Mitarbei­terinnen und Mitarbeiter unterrichten sehr verantwortungsvoll, engagiert, zuverlässig und mit viel Herz.

Die ehrenamtliche Tätigkeit bezieht sich jedoch nicht nur auf das Unter­richten, denn es besteht so viel Initi­ative, so dass beispielsweise ein Fil­mabend entstanden ist. Gemeinsam mit Migrantinnen und Migranten, aber auch mit unseren Gästen und sonst so einige, die daran Interesse hat­ten, haben wir „Monsieur Claude und seine Töchter“ im Seminarraum mit richtigem Kinoflair, Knabbereien und was sonst noch so dazu gehört, ange­sehen, was auf jeden Fall wiederho­lungsbedarf hat. Im Sommer konnten die KursteilnehmerInnen mit Arnold schwimmen gehen, oder mit Gilda eine Radtour machen.

Wir freuen uns auch, dass ein Team von Kunsttherapeutinnen den Weg zur Westbahnhoffnung gefunden haben. Seitdem gibt es nämlich einmal wö­chentlich #Deutsch mit Farben. Hier steht das Experimentieren mit Farben, Kunst, Kommunikation und Spaß im Fokus. Eine tolle Alternative zu den üblichen Deutschkursen. Gemeinsam wurde ein Kunstwerk geschaffen, wel­ches zu Gunsten der Westbahnhoff­nung versteigert wurde (siehe Foto). Neugierig geworden? Einfach einmal Freitagvormittag um 9:00 Uhr vorbei­kommen und sich selbst überzeugen, denn die Tür zu „Deutsch mit Farben“ steht jedem offen. Mari Kac

 

 

 

Küche & Lebensmittel

Entwicklungen

2016 hatten wir das Glück, Herrn Sin­ger kennen lernen zu dürfen. Er ist Unternehmensberater und unterstütz­te uns darin, unsere Leistungen zu strukturieren und ein vorzeigefähiges Konzept der Westbahnhoffnung auf die Beine zu stellen. Die Leistungen Küche und Lebensmittel wurden zuletzt bear­beitet, da diese die wesentlichen Berei­che der Westbahnhoffnung sind.

2016 fanden viele Veränderungen im Bereich der Küche statt. Wir starteten im Januar mit dem täglichen Ausko­chen, ausgenommen dem Ruhetag am Montag, wobei Elias der Hauptkoch für Dienstag bis Freitag war. Nach monate­langen Bemühen und Kämpfen konn­ten wir eine Aufenthaltsgenehmigung für den aus Algerien stammenden Koch erreichen und hatten somit die Erlaub­nis Elias anzustellen. Die Jahre davor arbeitete er ehrenamtlich bei uns mit.

Gegen Ende des Jahres, im Oktober, tat sich für Elias eine neue Chance auf. Ein langerersehnter Wunsch seiner­seits ist die Selbständigkeit. Passend dazu eröffnete die Caritas ein neues Lokal, wo sie Menschen wie Elias die Chance auf eine Zertifizierung für den Gastronomiebereich bieten. Somit war sein letzter Arbeitstag Mitte Oktober. Gleichzeitig hatten wir das Glück, dass #Carmen Kac Anfang Oktober in Pen­sion ging. Da Kochen auch ihre Leiden­schaft ist, sie dies schon ihr ganzes Le­ben lang tut und sie eine Beschäftigung suchte, konnte ein reibungsloser Über­gang von Elias zu Carmen entstehen.

Kochteam

2016 kamen viele Personen vorbei, um ehrenamtlich mitzuarbeiten, davon fanden einige ihren Platz in der Küche. Nun haben wir ein eingespieltes Koch­team für unter der Woche: Carmen, Carmen, Gerhard, Erni und Patrik. Die Wochenenden stehen nach wie vor den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu, die mit großer Leiden­schaft kochen und gerne Zeit investie­ren möchten.

Gerhard

Gerhard begleitet und unterstützt uns nun schon wirklich viele Jahre. Wir sind sehr froh, ihn an unserer Seite zu haben und umso mehr freuen wir uns, dass wir auch ihn nach einem Jahr Ar­beitstraining vom AMS nun mit Förde­rung des AMS ab Mitte Januar anstellen können. Auch bei ihm hoffen wir auf zukünftige Möglichkeiten der Beschäf­tigung und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit ihm.

Lebensmittelausgabe

Zweimal pro Woche werden kostenlos LM ausgegeben. Das Angebot schwankt je nach Abgabemenge unserer Lie­feranten, der Bedarf ist jedoch stets gegeben: Durschnittlich 25 Personen donnerstags und 30 Personen sonntags nehmen dieses Angebot in Anspruch.

Mit Peter W. haben wir einen ehren­amtlichen Mitarbeiter, der viele Kon­takte pflegt und somit das eine oder andere Geschäft dazu bewegt hat, Le­bensmittel an uns weiter zu geben. Somit müssen nur noch wenige Le­bensmittel fürs Verkochen eingekauft werden, da genug zusammenkommt. Wir danken den Sponsoren, die dazu beitragen, dass wir Lebensmittel aus­geben können. Mari Kac

 

 

 

Statistik

Ausspeisung

2016 fingen wir an Statistik zu führen, um herauszufinden, wie viele Personen unsere Leistung in Anspruch nehmen und weil Zahlen ja doch des Öfteren notwendig sind, sei es für Subventi­onsanträge oder sonstiges.

An die 25 Personen sammeln sich täg­lich am Mittagstisch der „Tabea“ wie wir von vielen immer noch genannt werden. Wochenends sind es immer mehr; sonntags oft 50 oder mehr; am Monatsanfang an Festtagen meist we­niger, ebenso an Auszahlungsterminen. Mit diesen Schwankungen lernt man zu leben und rechnen. Über das Monat verteilt besucht uns zwar durchwegs eine gleichbleibende Stammgruppe, die aber auch immer wieder Zuwachs und Abgang verzeichnet. In Summe wurden über das Jahr gerechnet mehr als 14.000 Mahlzeiten ausgegeben.

Woher das Geld?

Mehr als die Hälfte unserer Spenden stammen aus privater Finanzierung. Dazu zählt bereits ein großer inter­nationaler Freundeskreis sowie et­liche Kirchgemeinden in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Nur rund ein Fünftel (19%) sind öf­fentliche Gelder und müssen jährlich neu angesucht werden. 2016 waren das 10.000 vom Land und 9.500 von der Stadt Villach. Personalgehälter bringen die Ange­stellten zum größten Teil durch private Spenderkreise auf. 2016 waren 5 Per­sonen zu Teilzeit beschäftigt. Im Glauben, im Vertrauen auf Gottes Versorgung, durften wir Jahr für Jahr Schritte mit finanzieller Mehrbelas­tung wagen.

 

 

 

Kleiderkammer

Die Kleiderkammer war lange Zeit unser „Sorgenkind“, denn irgendwie bekamen wir kein ordentliches Sys­tem hinein, bis #Brigitte den Weg zur Westbahnhoffnung fand. Sie stellte sich für die Kleiderkammer zur Verfügung und somit konnte ein gut durchdach­tes System ausgearbeitet werden. Nun haben wir eine verlässliche Mitarbei­terin, die mindestens einmal in der Woche kommt, um Kleidung auszu­sortieren und zu kategorisieren, damit ein funktionierendes Weitergeben der Kleidung möglich ist. Auch im Lager hält sie Ordnung, räumt auf und bringt ein System hinein. Es läuft eben nichts ohne einer treuen Seele, die plant, sor­tiert und eine Woche später immer noch weiß, wo sich was befindet.

Kleidersammlung

Wie jedes Jahr fand auch 2016 zwei­mal eine #Kleidersammlung statt, organisiert von Familie Lamprecht und Marianne. Danke dafür. Verstärkt durch Brigitte kann nun schon vor Ort die Kleidung sortiert werden, was ge­ringeren Arbeitsaufwand bedeutet. Es ist schon erstaunlich, wie viel Kleidung in 3 Stunden gesammelt wird. Wir wer­den regelrecht mit Kleidung überhäuft, denn fast täglich erhalten wir Sach­spenden, was großartig ist und womit wir viele Menschen versorgen können. Durchschnittlich besuchen uns jeweils 25 Personen, wenn die Türe zur Klei­derkammer dienstags, donnerstags und samstags geöffnet ist. Mari Kac

Dusche & Wäsche waschen

Für die persönliche Hygiene, die besonders für Durchreisende oder Obdachlose eine Herausforderung darstellt, gibt es eine Dusche. Wä­sche waschen wir auch, aber nur auf persönliche Anfrage hin.